We’ve come a long way: WIIS.de 2003 – 2013 –––2023?

WIIS.de wird zehn – Happy Birthday!! Welch ein Fest! Und die perfekte Gelegenheit, zurückzublicken, welche Meilenschritte wir gegangen sind. Momentaufnahme, wo wir stehen. Und Anlass, vorauszuschauen, wohin wir wollen. Wir beide, Angelika Volle und May-Britt Stumbaum, waren vor zehn Jahren mit dabei, als aus einer Idee eine Vision und aus ein paar Treffen eine gemeinsame Initiative von heute über 300 WIIS.de-Ladies wurde, um Frauen in der Sicherheitspolitik besser zu vernetzen, besser zu informieren und sichtbarer zu machen. Zum Jubiläum möchten wir mit Euch ein paar Gedanken zur Gründungsphase, aber auch zur Zukunft von WIIS.de teilen und Euch zu einem offenen Austausch über Vision und Umsetzung von Women in International Security einladen. WIIS.de, wohin wollen wir?

Damals

Das sind die Gründerinnen von WIIS.de"Hey, Angelika, why don’t you open a branch of WIIS Germany?" – diese Frage stellte mir meine Freundin Gale Mattox, Professorin an der Naval Academy in Annapolis und damalige Präsidentin von Women in International Security – WIIS (USA), als wir Ende der achtziger Jahre von einem „brown bag lunch“ in Washington, anlässlich eines Vortrags einer Wissenschaftlerin über sicherheitspolitische Fragen, nachhause schlenderten.

Dieser Gedanke der Gründung eines „WIIS.de“ arbeitete seither in mir: auf allen sicherheitspolitischen Veranstaltungen der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik – DGAP, in der ich damals zunächst im Forschungsinstitut, dann als Chefredakteurin der Zeitschrift „INTERNATIONALE POLITIK“ tätig war, nahmen fast ausschließlich Männer teil. Auch Konferenzen im Ausland zu dieser Thematik waren ähnlich besetzt. Eine der ganz wenigen Ausnahmen, die sich auch Gehör verschaffen konnten, war die „doyenne der deutschen Sicherheitspolitik“, Frau Professor Helga Haftendorn – wie ich Mitglied von WIIS in den USA.

Dort fand ich ein umfangreiches Netzwerk von Frauen vor, die sich mit allen Aspekten von Sicherheits- und Verteidigungspolitik beschäftigten und den Gedankenaustausch untereinander zu diesen Themen pflegten. Ihre Präsenz auf internationalen Veranstaltungen zu der Thematik war erheblich größer als in Deutschland. Gerade dieser nachdenkliche und gründliche Austausch unter Fachfrauen beeindruckte mich, denn nur zu oft war aus meiner Sicht die sicherheitspolitische Auseinandersetzung von männlichen Argumenten dominiert und von deren oft gut geschulter Rhetorik überlagert. Die wenigen anwesenden Frauen tauschten sich eher angeregt untereinander in den Konferenz-Pausen aus.

In mir wuchs die Erkenntnis, dass Hintergrundgespräche als Grundlage für wachsende Einflussmöglichkeiten von Frauen im Bereich der Sicherheitspolitik unabdingbar sind. Der direkte Zugang von Frauen zu entsprechenden Informationen könnte Frauen in Fachkreisen selbstbewusster und sichtbarer machen und aufgrund wachsender Expertise ihren Einfluss in Sicherheitsfragen erhöhen. Die Gründung eines deutschen Netzwerks, in dem Frauen zu den vielen Aspekten von Sicherheits- und Verteidigungspolitik einen Austausch auf Augenhöhe pflegen konnten, schien mir immer dringlicher.

Im Sommer 2001 traf ich mich dann zu einigen Mittagsgesprächen mit Dorothee Müller-Lankow, die damals für Rheinmetall arbeitete und die von Helga Haftendorn ebenfalls zur Gründung eines „deutschen WIIS“ ermuntert worden war. Wir verabredeten uns, „Nägel mit Köpfen“ zu machen und aus unserem Bekanntenkreis Frauen anzusprechen, die ein deutsches Netzwerk mit uns gründen wollten. Gudrun Schattschneider vom BMVg, Maria Th. Hugo von der Amerikanischen Botschaft, Dorothee Müller-Lankow, May-Britt Stumbaum, ebenso wie ich aus der DGAP, trafen uns zu mehreren Gedankenaustauschen abends nach dem Dienst in der DGAP bei belegten Brötchen. Rasch wurde uns klar, dass unsere Überlegung zur Gründung eines „Wiis.de“ eine „winning idea“ war. Allein schon in unser aller Bekanntenkreis waren unzählige Frauen aus dem außen-, sicherheits- und verteidigungspolitischen Umfeld, die wir ansprachen und die sich unserer Idee anschlossen. Jährliche Beitragszahlungen sollten Wiis.de zunächst tragen, bevor eine spätere Vereinsgründung auch die Einwerbung von Spenden erleichtern konnte. Ebenfalls erklärte sich die DGAP bereit, uns Räumlichkeiten für unsere geplanten Aktivitäten und Veranstaltungen kostenlos zur Verfügung zu stellen.

Wichtig war uns „Frauen der ersten Stunde“, eine Satzung zu formulieren (und später einen steuerbegünstigten e.V. zu gründen), in der u.a. folgende Aufgaben von WIIS.de verankert werden mussten: regelmäßige Vortragsveranstaltungen und Hintergrundgespräche zu sicherheits- und verteidigungspolitischen Fragen – auch in enger Kooperation mit Mitgliedern von WIIS-USA; die Organisation von (internationalen) Seminaren, Fachkonferenzen und Fortbildungsmöglichkeiten – z.B. auch im Bereich Rhetorik – , sowie ein Newsletter. Auch die Gründung von Regionalgruppen, z.B. in Hamburg, Köln oder Bonn, war uns wichtig. Es verstand sich von selbst, dass ehrenamtliches Engagement von Frauen die Grundlage für diese Aktivitäten sein musste. Mir schwebte auch vor, möglichst hochrangige Frauen (in den USA gehörten z.B. Madeleine Albright und Hilary Clinton zu WIIS-Mitgliedern) als künftige Mitglieder (und v.a. auch als „role model“) zu gewinnen – hier bleibt (abgesehen von ein paar wirklich tollen Einzelterminen wie das Münchner Sicherheitskonferenzfrühstück mit Hillary Clinton) aus meiner Sicht für WIIS.de noch einiges zu tun.

Im Lauf des Jahres 2002 war aus meiner Sicht alles auf einen guten Weg gebracht. Im Mai 2003 erblickte „das Baby“ die Welt, sprich: erfolgte die Gründung von Wiis.de. Dies erlebte ich dann nur noch „on the sidelines“, denn zu diesem Zeitpunkt war ich schon aus meiner Berufstätigkeit ausgeschieden. Ich konnte aber noch May-Britt Stumbaum aus der DGAP  „verführen“ (wie sie es selbst bezeichnet!), aktiv in WIIS.de mitzuarbeiten, nämlich als erste Vorsitzende des Vorstands. Jetzt musste das „Baby“ nur noch wachsen und gedeihen ....

Heute

WIIS.de 2013Zehn Jahre ist das nun her, dass Riina Kionka uns in ihre estnischen Botschaft für den offiziellen „Launch“ von Women in International Security Deutschland –  WIIS.de – im Frühjahr 2003 einlud. Zehn Jahre, in denen aus einer Idee und einer kleinen Gruppe ein Verein von über 300 Frauen wurde, die mit verschiedenen Formaten von kleinen Hintergrundgesprächen zu großen internationalen Konferenzen, von individuellen Karriere-Coachings zu WIIS.de-Handbüchern und Besuchen „vor Ort“ und vielem mehr die Ziele von WIIS.de in Wirklichkeit umsetzen wollen: Frauen in der Sicherheitspolitik besser zu vernetzen, ihnen einen besseren Zugang zu Informationen zu geben, sie auf Podien, in Expertenkreisen, in TV und Print in ihrer Professionalität sichtbarer zu machen.

Zeit, Resumee zu ziehen und nach vorne zu blicken: Mit welcher Idee sind wir angetreten? Wo stehen wir heute? Und vor allem – wo soll es hingehen? Und wie?

Es ist ein unglaublicher Erfolg, dass ein Verein, der nur durch das leidenschaftliche, jedoch ehrenamtliche Engagement seiner Mitgliedsfrauen und insbesondere des gesamten Vorstands inklusive der regional aktiven Mitglieder existiert, zehn Jahre lang mit einer solchen Fülle an Aktivitäten fortbesteht. Neben den kraftraubenden Karrieren und familiären Verpflichtungen auf Dauer ein hohes Level an Engagement und Verlässlichkeit aufrecht zu erhalten, verdient in unserer Zeit der kurzen Aufmerksamkeitsspannen und vielfältigen Anforderungen ganz besondere Anerkennung. Auch dass Frauen in der Sicherheitspolitik immer weniger als Exoten angesehen werden, ist ein echter Meilenstein, auch wenn der Weg zur „Normalität“ noch weit ist. WIIS.de ist heute nicht mehr ein unbekannter Nischenverein, sondern hat seinen festen Platz erobert – und eigentlich jede Frau, die wir auf sicherheitspolitischen Veranstaltungen treffen, hat ihn schon einmal gehört. WIIS.de wird nicht mehr verschwiegen noch herablassend abgeurteilt („was iss’n das für’n Frauenverein“), sondern hat sich als seriöses Netzwerk in der sicherheitspolitischen community etabliert.

Zehn Jahre haben aber auch die Schwierigkeiten aufgezeigt für einen solchen Verein unter den spezifischen Bedingungen in Deutschland. Um mit Facebook’s COO Sheryl Sandberg zu sprechen: „We are still don’t ‚lean in’ together“. It’s complicated.. Ein paar Beobachtungen über die Jahre... Häufig werden Frauen in Deutschland, sobald sie auf einer bestimmten Karrierestufe angekommen sind, doch wieder zu Einzelkämpferinnen. Während Männer strategische Netzwerke aufbauen und diese über ihre Karrierestufen mitziehen und konsolidieren, scheinen wir bei Frauennetzwerken noch aufholen zu müssen. Auch Hillary Clinton hatte wohl nicht ganz unrecht, als sie meinte, dass wir Frauen uns immer auf allen Ebenen miteinander vergleichen, beruflich und privat – und Berufliches häufig zu persönlich nehmen. Nicht selten verhindern kleine persönliche Eifersüchteleien das Schmieden von strategisch sinnvollen Koalitionen. Als Frauen noch immer in der schwächeren Position in einem männlich dominierten Feld, geben wir so manches Mal dem Gefühl Vorrang über das logische Argument, über die klarsichtige Vernunft, emotionalisieren statt versachlichen Auseinandersetzungen... und schwächen uns eher gegenseitig, als uns gemeinsam nach vorne zu bringen.

Morgen

Wie können wir also unser „Wir“ – Gefühl noch mehr stärken? Indem wir uns nicht beirren lassen! Indem wir einander bei- und füreinander einstehen, uns von gegenseitigem Respekt leiten lassen, Frauen, die qualifiziert und engagiert sind, nach unseren Möglichkeiten unterstützen. Indem unsere Türen für WIIS.de Frauen immer ein Stückchen offener stehen lassen. Indem wir uns auch weiterhin von anderen Netzwerken dadurch unterscheiden, dass kein Dünkel die Durchlässigkeit zwischen den langjährig Erfahrenen und den neu Hinzugewonnen stört. Indem wir Teamwork im wahren Sinne des Wortes praktizieren, Ideen und Allianzen schmieden.

Zehn Jahre WIIS.de haben gezeigt, dass wir unsere kühnsten Träume übertreffen können. Dass wir das schaffen können! Dass jeder Beitrag zählt, die großen und die kleinen. Und dass es noch viel zu tun gibt. WIIS.de lebt durch die Leidenschaft, das Engagement und die Energie seiner Mitglieder, von über dreihundert Frauen, die im weiten Feld der gerade für Deutschland so wichtigen Sicherheits- und Verteidigungspolitik tätig sind. Dieses Jubiläum ist ein wunderbarer Meilenstein, um sich zusammenzusetzen und zu klären: Woher kommen wir? Wo stehen wir? Und vor allem: Wo wollen wir hin?

Packen wir’s an!

 

Angelika & May-Britt

Dr. Angelika Volle – Dr. May-Britt U. Stumbaum